1. Welche Umweltzeichen werden für das Kriterium „Produkte und Komponenten mit Umweltzeichen“ anerkannt?

Als hohe Umweltstandards für Bauprodukte werden folgende Umweltzeichen (Umweltproduktdeklarationen des Typ I nach EN ISO 14024) anerkannt:
  • Österreichisches Umweltzeichen
  • natureplus
  • IBO-Prüfzeichen

Für bestimmte Produktgruppen werden weitere Umweltzeichen (wie das Nordische Umweltzeichen - Nordic Swan, Blauer Engel RAL-UZ,…) anerkannt. Diese sind in einem Merkblatt zusammengefasst, das unter www.klimaaktiv.at/bauen-sanieren/gebaeudedeklaration/materialien-tools.html zum Download bereitsteht.

2. Wie ist Kreislauffähigkeit im neuen Kriterium in klimaaktiv verankert?

Kreislauffähigkeit im Bauwesen umfasst viele Ansätze wie etwa das rückbaufreundliche Konstruieren, die Dokumentation der verbauten Materialien, vorzugsweise über digitale Erfassung, die Schadstofffreiheit von Bauprodukten, die Bauteilwiederverwendung ebenso wie die Gewinnung und Verwendung mineralischer Körnungen.

In H. Figl et al (2020a) wurden Bewertungsansätze für die Kreislauffähigkeit aus verschiedensten Ländern zusammengestellt und analysiert. Ergebnis der Analyse war, dass alle Bewertungssysteme im Grunde vergleichbare Ansätze z.B. bezüglich der bewerteten Parameter haben, sich die Bewertung im Detail jedoch grundlegend unterscheidet. Von einer europäischen Harmonisierung ist man in diesem Feld aktuell also noch weit entfernt. In Österreich können die Entsorgungseigenschaften mithilfe des EI10 sichtbar gemacht werden. Die Berechnung wird in klimaaktiv mit Punkten anerkannt. Darüber hinaus werden die Leitprinzipien der Circular Economy im klimaaktiv-Gebäudestandard wie folgt beschrieben:

1. Vermeiden – Reduce: Maßnahmen zur Verringerung von Abfallmengen. Beispielhafte Maßnahmen: schlanke Konstruktionen, optimierte Raumgrößen, Vorortverwendung von Aushub, Sand und dergleichen
2. Wiederverwenden – Reuse: möglichst gleichwertige Weiterverwendung von Materialien, Bauteilen oder eingesetzten Technologien
3. Produktorientierte Verwertung – Recycling: Aufbereitung von Materialien zur Wiederverwendung in Produkten oder Technologien in vergleichbaren oder gering-wertigeren Produkten
4. Sonstige Verwertung: energetisch-thermische Verwertung, Verfüllung
5. Entsorgung / Deponierung, sofern die oben genannten Prinzipien nicht anwendbar sind.

Diese, aus der Abfallwirtschaft stammende, Betrachtungsweise in die Praxis der Bauwirtschaft umzusetzen, soll durch die Erstellung von Rückbaukonzepten besser gelingen.

Rückbaukonzept bei Neubauten
Bei Neubauten ist bereits in der Entwurfsplanung durch die Erstellung eines Rückbau- und Verwertungskonzepts auf die oben genannten Aspekte einzugehen. Dabei sind für die wesentlichsten Standardbauteile und bei einer kalkulatorischen Gesamtnutzungsdauer des Gebäudes von 100 Jahren die Potenziale der fünf genannten Leitprinzipien zu benennen.

Rückbaukonzept bei Bestandsobjekten und Sanierungsvorhaben
Ergänzend zu den oben genannten Aspekten wird eine umfassende Schad- und Störstofferkundung durchgeführt, bei der verpflichtend vorab das Reuse-Potenzial zu erheben und dokumentieren ist. Die Dokumentation des erstellten Rückbaukonzepts einschließlich Reuse-Potenzialen und Schad- und Störstofferkundung erfolgt in Analogie zur Entwurfs- und Ausführungsplanung mit ergänzender Berichterstattung.

BIM-Modell für umfangreiche Bauvorhaben
Die BIM-Methode kann über einen effizienten Datenaustausch bei der Produktwahl in der Planungs- und Ausführungsphase unterstützen – je früher im Planungsprozess ökologische Bewertungen und Optimierungen angesetzt werden, desto größer ist das Verbesserungspotenzial.
Für den verwertungsorientierten Rückbau am Lebensende des Gebäudes („Urban Mining“) ist eine Dokumentation der verbauten Materialien essenziell. Die Dokumentation unterstützt außerdem bei der Instandhaltung und Instandsetzung von Gebäudeteilen.

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